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"Ist über andere lästern Gewalt?", fragt Ingo Weimer von Polizeirevier Mühlacker die Sechstklässerinnen und Sechstklässler einer Realschulklasse in Illingen. Gerade waren sich noch alle einig, dass Schlagen und Foltern Gewalt ist. Aber lästern?
Die zwei Schulstunden zur Gewaltvorbeugung gehören seit über acht Jahren zum Standard an der Illinger Haupt- und Realschule. In der siebten Klasse wird das Thema noch einmal aufgegriffen, im Programm "Schritte gegen Tritte", das von der evangelischen Kirche stammt. Die Veranstaltungen dazu laufen in Illingen in den nächsten Wochen.
Am Anfang steht an diesem Morgen die Frage: "Was kann alles Gewalt sein?" Probleme gibt es beim vermalten Mäppchen und bei der besprühten Wand. Sind Sachbeschädigungen eigentlich Gewalt? Und was ist mit Diebstahl? Vom Präventions-Beamten lernen die Kinder: Wenn jemand an Leib oder Seele Schaden nimmt, dann ist Gewalt im Spiel. Und die bemalte Wand oder der gestohlene Gegenstand machen deren Besitzer um einiges Geld ärmer und unglücklich - also: Gewalt.
Doch es wird nicht nur diskutiert. Ein Rollenspiel beweist: Selbst eine zufällig zusammengewürfelte Gruppe lässt keinen Außenseiter zu. Wer ausgegrenzt wird, immer wieder Opfer von Lästereien, Beleidigungen und Streichen wird, der leidet unter Gewalt. Die Kinder kennen das Wort schon: Mobbing. Das Mittel dagegen: Darüber sprechen: Bei den Eltern, dem Lehrer, bei einer Vertrauensperson.
Wichtig ist Ingo Weimer, dem Präventions-Polizisten, die Unterscheidung zwischen "Hilfe holen" und "petzen": Sobald Gewalt im Spiel ist, bei Bedrohung oder Erpressung, ist von petzen nicht die Rede, dann muss man Erwachsene um Hilfe bitten. Auch das wird im Rollenspiel geübt: Ein Mädchen gibt dem Erpresser kein Geld, kommt aber auch nicht durch. Danach tut ein Junge das richtige: Er geht zum Lehrer und nennt Ross und Reiter. Ingo Weimer musste bei Elternabenden schon hören, dass Eltern sich wünschen, ihre Kinder würden wegsehen, wenn es um Gewalt geht. "Das löst das Problem nicht", erklärt er. Präventionsprogramme sind nur erfolgreich, wenn die Eltern deren Ziele unterstützen: Junge Menschen mit Zivilcourage heranzuziehen.
Dass nicht wenige Mutproben zum Eintritt in die Clique eigentlich eher "Idiotentests" und fast immer gesetzeswidrig sind, macht Ingo Weimer den Kindern klar. Wenn man eine mutige Tat nicht weitererzählen kann, wenn man nicht stolz darauf sein kann, dann geht es wohl eher nicht um Mut. Ein "Nein, das mache ich nicht" ist hier der echte Beweis von Stärke.
Und dann gibt es noch einen Schnellkurs in der Frage: Was kostet ein gebrochener Ellenbogen? - 10.000 Euro, die ein Jugendlicher eventuell dann abstottern muss, wenn er 18 wird. Oder: Was passiert nach einem Ladendiebstahl? - Ein peinliches Spießrutenlaufen durch die Heimatgemeinde, flankiert von zwei Polizisten.
Doch auch Randthemen werden berührt: Ist stören im Unterricht nicht vielleicht auch Gewalt; denn es schädigt ja die schwachen Schüler? Und würden nicht Schuluniformen den Markendruck von den Kindern nehmen? Damit verschwände ein Grund für Mobbing und Diebstahl. "Marken sind eigentlich Beschiss", wird ein Mädchen deutlich.
Beim Elternabend wird Ingo Weimer den Erziehungsberechtigten nicht nur den Morgen zusammenfassen. Er wird auch aufzeigen, welche Lebenskrisen gewaltsames Handeln auslösen und wie man damit am besten umgeht: Indem man miteinander spricht und sich wirklich Zeit für seine Kinder nimmt.
Am Schluss der Doppelstunde notieren sich manche Kinder die Telefonnummer von Ingo Weimer. Bleibt zu hoffen, dass sie sie benutzen, wenn es sein muss - und dass sie sie nicht brauchen.
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